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Das P23R-Prinzip soll die Bürokratiekosten senken. Ob es das wirklich tut, darüber gehen die Meinungen auseinander. Herr Peter Vorgel, Inhaber und Managing Director von total-sourcing-Management und Herr Peter Schilling, Professor für Informationsmanagement der öffentlichen Verwaltung i.R. vertreten in Vitako aktuell ihre konträren Standpunkte.

Das Wichtigste zuerst: Die Realisierung des Prozessdatenbeschleunigers P23R würde einen spürbaren Beitrag dazu leisten, die jährlichen Bürokratiekosten der Wirtschaft um geschätzt mindestens fünf Milliarden EUR zu senken– mehr als bei jedem Steuerentlastungsprogramm. Wie das funktioniert?

Dazu ist zunächst das Verständnis des Grundgedankens wichtig. Wesentlich ist die Entkopplung der Przessschritte bei der Erfüllung der Meldepflicht. Es gibt drei Elemente, die den P23R darstellen:

– Die einmalige Information durch das Unternehmen, wo sich welche Rohdaten befinden;

– Das von Dritten zur Verfügung gestellte Regelwerk zur Aufbereitung der Meldung;

– Die selbständig erzeugte Meldung im Wunschformat des Empfängers, die das Unternehmen freigibt.

 

Erwiesen praxistauglich

Zentraler Aspekt ist die Fähigkeit des Prozessdatenbeschleunigers, die jeweils fällige Meldung aus den Rohdaten des Unternehmens zu erstellen. Die dazu notwendige P23R-Regel ist in Form einer App ladbar und ablauffähig. Bei Bedarf ist sie leicht zu aktualisieren oder auszutauschen. Die Realisierung und Praxistauglichkeit dieser ungewohnten Vorgehensweise ist in Pilotprojekten mit Unternehmen bereits nachgewiesen.

Das P23R-System bringt damit eine deutliche Entlastung, weil es die Komplexität vieler Rechtsvorschriften „versteckt“. Eine Lösung, die diese Möglichkeit für Hunderte von Vorschriften bietet, kann in ihrer inneren Struktur nicht ganz einfach sein. Entscheidend ist, dass sie für die Unternehmen und die Verwaltungen in ihrer Handhabung weit einfacher und kostensparender ist, als dies Hunderte einzelne Insellösungen und Plattformen wären.

Für alle verfügbar

Die Architektur ist so angelegt, dass konkurrierende Spezialisten die einzelnen Regeln und Lösungen entwickeln können. Das stellt unter anderem eine gute Nachfragedeckung und akzeptable Preisbildung sicher. So sind auch für kleine und kleinste Unternehmen Lösungen verfügbar. Die zentralen Vorteile gegenüber anderen Lösungsansätzen:

  • – Mit P23R sind alle rechtlichen Meldeverpflichtungen unter wirtschaftlichen Randbedingungen erfüllbar;
  • – Die stark vereinfachte Aktualisierung bei Änderung, Wegfall oder Neueinführung von Meldepflichten;
  • – Eine vertiefte Meldepflichten-Kompetenz im Unternehmen ist nicht mehr erforderlich;
  • – Für alle Meldungen gibt es ein einheitliches, einfaches Vorgehen;
  • – Unternehmen finden unabhängig von Größe und Branche am Markt geeignete P23R-Regeln;
  • – Sowohl Unternehmen als auch Empfänger-Verwaltungen sind unabhängig von Verfahrens-  oder Formatumstellungen und haben so Investitionsschutz.

Auch die öffentliche Verwaltung als Empfänger hat Vorteile vom Prozessdatenbeschleuniger. So erfüllt die Vermeidung neuer zentraler Datenbestände die Vorgaben des Datenschutzes und erspart hohe Investitions- und Betriebskosten, die bei anderen Varianten notwendig wären. Denn die Daten bleiben in der Hoheit jeder Firma, auch wenn ein Dienstleister sie verarbeitet. Gleichzeitig erhalten Behörden Daten hoher Qualität von Betrieben. Sie können ihr IT-System nach ihren eigenen Kriterien modernisieren, ohne dass bei den Unternehmen Umstellungsprobleme entstehen.

P23R hat somit das Potenzial, die Erfüllung vieler Rechtsvorschriften für die Unternehmen zu erleichtern und damit Kosten deutlich zu senken. Voraussetzung für eine schnelle und wirksame Umsetzung ist eine klare Perspektive seitens der Politik. Dann wird dieses auf Marktmechanismen basierende Konzept seine Wirkung kurzfristig entfalten.

Quelle: Vitako Aktuell / Ausgabe 4 November 2014